Lungwitzbach – ein Flussporträt

 

Der Lungwitzbach zählt mit seinem Einzugsgebiet von 143 km2 zu den größten Fließgewässern des Naturraumes »Erzgebirgsbecken«.
Als Quellen werden mehrere Orte angegeben, so Erlbach-Kirchberg, Ursprung, Oelsnitz/E. (Hegebach), in Lugau unterhalb der Pflockenstrasse in Höhe des Bergbaumuseums (Hegebach), im Neudörfler Wald bei Heinrichsort (Rödlitzbach) und in Wüstenbrand auf dem Südrand des Rabensteiner Höhenzuges.
Die eigentliche Quelle des Lungwitzbaches befindet sich aber in Ursprung bei Erlbach-Kirchberg in einer Höhe von 390 mNN.

Nach einem 24,1 km langen Lauf mündet er nördlich Glauchau in einer Höhe von 230,4 mNN in die Zwickauer Mulde. Bei einem Längsgefälle von 160 m entfallen allein 100 Höhenmeter auf den Oberlauf bis zur Hegebachmündung.

Der Lungwitzbach wird von zahlreichen Nebenbächen gespeist, von der Quelle abwärts sind dies u.a.: Kupfermühlenbach, Höllenbach, Hirschgrundbach, Kirchberger Dorfbach (Rehbach), Hüttengrundbach, Hegebach, Goldbach, Kreiselbach, Rödlitzbach, Tempelbach, Lobsdorfer Bach und Rottelsbach.

 
 

Ab Hegebachmündung ist der Lungwitzbach ein Fließgewässer erster Ordnung und befindet sich in der Verantwortung der Landestalsperrenverwaltung.

Der Lungwitzbach galt bei den Einwohnern wegen seines Fischreichtums als heilsam. Der Fluss war aber auch als Unglücksbringer gefürchtet, weil mehrfach verheerende Hochwasserereignisse das Tal heimsuchten. Geschichtlich belegt sind solche Ereignisse für die Jahre 1458, 1491, 1893, 1909, 1924, 1954 und jüngst das Augusthochwasser 2002.

Ab 1933 wurde das Bachbett zwischen St. Egidien und Niederlungwitz begradigt und mit Wasserbaupflastersteinen befestigt. Die Arbeiten wurden von arbeitslosen Einwohnern der angrenzenden Gemeinden ausgeführt. Von 1942 bis 2002 verlief der Lungwitzbach in einem naturfernen Verlauf, der für die heimische Tier- und Pflanzenwelt kaum Lebensräume bot. Das Hochwassers im August 2002 zerstörte auf weiten Strecken den ehemaligen Uferverbau. Dadurch konnte sich der Lungwitzbach aus seinem naturfernen Korsett befreien.

 
 

Impressionen

 

Eine Fotodokumenttation zeigt den aktuellen Stand des gesamten Flussverlaufes des Lungwitzbaches vom Quellgebiet bis zur Einmündung in die Zwickauer Mulde.

 

Der markierte Bereich zeigt das Gebiet des Flusserlebnispfades mit seinen 21 Stationen. Informationen zu den einzelnen Stationen sind unter Flusserlebnispfad Lungwitzbach, Stationen zu finden.

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Landschaftseinheiten
Innerhalb des »Lichtensteiner Lösshügellandes« im Naturraum »Erzgebirgsbecken« prägt der Lungwitzbach die Kleinlandschaft »Lungwitzbach-Tal« (Flächengröße: 20,6 km2).                                           
Umgeben wird dies von den Kleinlandschaften wie das »Gersdorf-Oelsnitzer Riedelgebiet«, das »Erlbacher Riedelgebiet«, das »Hohenstein-Ernsthaler Hügelgebiet«, dem »Bernsdorfer Hang«, dem »Rümpfwald bei St.Egidien«, dem »Glauchauer Plateaurand«, dem »Glauchauer Mulden-Talboden«, dem »Reinholdshainer Plateaurand» und der »Lobsdorfer Schwelle«.

 
 

Relief
Insbesondere von der Hegebachmündung abwärts hat das Tal die Gestalt eines stark asymmetrischen, lehnhängigen und geradlinigen Muldensohlental. Es überwiegen die flachen Hangformen der Letten. Nur unterhalb von St. Egidien bewirken feinstückige Konglomerate einen steilen und von zahlreichen Trockenschluchten gegliederten linken Talhang. Steilere Hänge beiderseits der Straße St. Egidien – Kuhschnappel sind an ein ausstreichendes Tuff- und Quarzporphyrband gebunden.

 
 

Geologie und Boden
Die mit 300 bis 400 m bemerkenswert breite Aue verbirgt unter einer Decke von sehr feinen, oft lehmigen Sanden gröbere Sande und Kiese auf Sedimentiten und Vulkaniten des Erzgebirgischen Beckens (Rotliegendes). Reste altpleistozäner Lungwitzböden sind, von Lösslehm verkleidet, mehrfach vorhanden. Solche bis zu 6 m mächtige Terrassenschotter wurden u.a. am Bahnhof St. Egidien 15 bis 25 m über der Aue angetroffen. Die Talhänge  sind überwiegend löß- und gehängelehmbedeckt mit lokal zwischengeschalteten Mittel- und Niederterrassenschottern des Lungwitzbaches.

Wasser
Die Kleinlandschaft ist auf ca. 40 bis 60 % der Fläche mäßig stauwasserbestimmt. Der mittlere jährliche Gebietsabfluss  (Mittelwert 264 mm/Jahr) ist auf Grund der geologischen Bedingungen gegenüber den benachbarten Fließgewässern relativ gering. An Oberflächengewässer treten neben der Talsperre St. Egidien 16 Teiche auf, das Fließgewässernetz umfasst 35,25 km und ist überwiegend begradigt.
Der Lungwitzbach entwässert das dicht besiedelte Gebiet zwischen Hohenstein-Ernstthal und Lichtenstein. Im gesamten Verlauf wird eine kriti-sche Belastung nachgewiesen, allerdings zu-nehmend im unteren Bereich der Güteklasse II-III.

 


Das Potenzial der biologischen Selbstreinigung ist über weite Gewässerstrecken durch Begradigung und massive Bachbettverbauung stark verringert,  jedoch sind durch das Ex-tremhochwasser 2002 einige Abschnitte struk-turell begünstigt worden.Bis 2015 den günstigen Erhaltungszustand entspr. der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, diese Zielstellung ist für den Lungwitzbach unwahrscheinlich, insbesondere bezüglich der Biologischen Gewässergüte und des Zustandes der Fischfauna.

Klima
Das Lungwitzbach-Tal gehört zum Hügelland und zu den unteren Berglagen mit mäßig feuchtem Klima

 
Jahresdurchschnittsniederschlag 600-750 mm
Winterniederschlag, Oktober bis März 280-350 mm
Jahresdurchschnittstemperatur 7,4-7,8 °C
Jahresschwankung der Temperatur 17,0-18,0°C
 
 

Naturausstattung

Ursprüngliche Vegetation
Die potenziell natürliche Vegetation als ein Denkmodell für die ursprüngliche Pflanzendecke des Naturraumes weist mannigfaltige Waldgesellschaften aus.
Der breite Talgrund des Lungwitzbaches war/würde besiedelt werden von einem Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald auf grundwasserbestimmten, episodisch überstauten oder überfluteten Standorten. Die Unterläufe der Nebenbäche wären geprägt von Hainmieren-Schwarzerlen-Bachwald, die teilweise in den Oberläufen in Erlen-Eschen-Bach- und Quellwäldern übergehen würden.  Grundfeuchte bis wechselfeuchte, mäßig saure bis neutrale Standorte in den Nebentälchen wären bedeckt von Waldziest-Hainbuchen-Stieleichenwäldern.

Großflächig würden entsprechend des Grundwasserstandes die Talhänge und Rücken von Hochkollinen Eichen-Buchenwäldern (grundwasserfern) bzw. Zittergrasseggen-Eichen-Buchenwäldern (grund- oder stauwasserbeeinflusst) eingenommen. Komplexe Waldgesellschaften aus Hochkollinen Eichen-Buchwälder mit Heidelbeer-Eichen-Buchenwälder bzw. Zittergrasseggen-Eichen-Buchenwälder im Übergang zu Traubenkirschen-Erlen-Eschenwäldern sind an wenigen ausgewählten Flächen zu prognostizieren. Auf Sonderstandorten sind am Nordrand des Lungwitzbachtales Serpentin-Kiefernwälder nachweisbar, die hier einmalig für ganz Sachsen vorkommen.

Diese Waldgesellschaften der potenziell natürlichen Vegetation können als Richtschnur für die naturbelassene Entwicklung von Flächen herangezogen werden.  
Lebensräume

Von dieser  ursprünglichen Vegetation sind nur noch kleine Restflächen vorhanden.
So beträgt die Gesamtfläche der kartierten wertvollen Biotope nur  94,62  ha =  4,59% dieser Kleinlandschaft.

Die einzelnen Biotoptypen sind noch mit folgenden Flächen vertreten:

 
Anzahl Biotoptyp Fläche in ha
11 Feldgehölz/Hecke 20,23
3 Feuchtgebüsch 1,43
4 Bach 0,39
1 Feuchtgrünland 0,05
1 Sumpfdotterblumen-Wiese 1,60
1 Hochstaudenflur 0,00
1 Niedermoor 0,10
2 Borstgrasrasen 0,06
1 Trockenrasen 20,25
12 See/Teich/Weiher 4,58
1 Tümpel 1,13
1 Sonstige Stillgewässer 2,50
8 Röhricht 0,20
6 Schwimmblattvegetation 0,01
4 Unterwasserrasen 0,01
5 Schatthang- und Schluchtwald 26,31
11 Wertvoller Gehölzbestand 15,76
 

Auf Grund dieser geringen Ausstattung mit ökologisch wertvollen Biotopen ist auch kein Schutzgebiet ausgewiesen.

Pflanzen- und Tierwelt
Der Naturraum war ursprünglich vollständig mit Wald bedeckt und wies keine natürlichen Offenlandschaften auf, alle Wiesen sind daher Ersatzgesellschaften, die in ihrer Artenzusammensetzung den jeweiligen Grad der Bewirtschaftung widerspiegeln.  Wo an Hängen jahrhundertelang nur Grasnutzung erfolgte, die verbrauchten Nährstoffe aber nicht ersetzt wurden, sind noch heute kleinflächig Bestände an-zutreffen, die hauptsächlich durch Borstgras (Nardus stricta) gebildet werden und in denen Bärwurz (Meum athamanticum), Kreuzblümchen (Polygala vulgaris), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), aber auch Arnika (Arnica montana) und sehr selten Mondrautenfarn (Botrychium lunaria) vorkommen.  In den Tälern mit günstigerer Wasserversorgung und mineralischer Düngung (in geringem Umfang schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts), in denen außerdem organische Dünger leichter auszubringen waren, befinden sich, heute nur noch fragmentarisch, extensiv genutzte Frischwiesen. Sie fallen im Frühjahr durch ihre Vorkommen von Schlüsselblumen (Primula elatior) auf und schmücken sich im Sommer mit den Blütenständen des Wiesenknöterichs, der im Volksmund Otterzunge heißt (Polygonum bistorta), mit Wucherblumen (Leucanthemum vulgare), Wiesenglockenblumen (Campanula patula), Kuckuckslichtnelken (Lychnis flos--cuculi) und Ährigen Teufelskrallen (Phyteuma spicatum). Wo die Mähwiesen in Weiden umgewandelt wurden, überwiegen trittfeste Gräser, zwischen denen nur Gänseblümchen (Bellis perennis) und Löwenzahn (Taraxacum officinale) vor dem ersten Viehtrieb im Frühjahr bunte Farbtupfer setzen.

An den Teichufern konnten vor allem Pflanzen der Hochstaudenfluren bis in die Gegenwart hinein ausdauern, so Blutweiderich (Lythrum salicaria), Hainfelberich (Lysimachia vulgaris), Helmkraut (Scutellaria galericulata), Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), Wasserminze (Mentha aquatica), Sumpfvergißmeinnicht (Myosotis palustris) und Igelkolben (Sparganium emersum). Im flachen Wasser gedeiht der Froschlöffel (Alisma plantago ), Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), und der Schmal- und Breitblättrige Rohrkolben (Typha angustifolia und T.latifolia). In evtl. noch vorhandenen angrenzenden Feuchtflächen wachsen Sumpfkratzdistel (Cirsium palustre), Waldsimse (Scirpus sylvaticus), Blaues Pfeifengras (Molinia caerulea), Teufelsabbiß (Succisa pratensis), Waldengelwurz (Angelica sylvestris) und Sumpfveilchen (Viola palustris).

Im Bergbaugebiet wurden seit 1843 durch die Schüttung von Abraumhalden Sonderstandorte geschaffen, auf denen sich, durch Aufforstung beschleunigt, inzwischen eine charakteristische Flora angesiedelt hat. Die Baumschicht besteht hauptsächlich aus Birken (Betula verrucosa). Hlrsch-holunder (Sambucus racemosa), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Salweide (Salix caprea) bilden den Unterwuchs. Den Boden bedecken Rotes Straußgras (Agrostis tenuis) und Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), in deren Bestände auf älteren Schüttungen nach und nach verschiedene Laubwaldpflanzen einwandern.

Was für die Pflanzenwelt galt, trifft in verstärktem Maße für die Tierwelt zu: Manche Art, die vor 80 oder 150 Jahren teilweise recht zahlreich vorkam, musste der Umgestaltung der Landschaft weichen. Bereits 1920 war das Birkhuhn nahe-zu verschwunden, der Fischotter schon Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet (Der letzte Fischotter wurde 1860 in Niederlungwitz geschossen). Mit der Entwicklung der Bergbaulandschaft entstanden in kurzer Zeit neue Lebensräume, die nach und nach von Tierarten besiedelt wurden und werden, welche bislang im Gebiet nicht zu beobachten waren. Am besten sind wir über diese sukzessiven Vorgänge bei den Vögeln unterrichtet, doch werden auch bei anderen Tiergruppen ähnliche Zusammen-hänge zwischen der Vegetationsentwicklung in derartigen veränderten Lebensräumen und deren Besiedlung durch Tiere wirksam. Von den Vögeln gehört der Steinschmätzer zu den Charakterarten der vegetationsarmen Geröllhalden. Ebene Ödflächen besiedelt die Feldlerche, auch der Flussregenpfeifer, jedoch nur dann, wenn in der Nähe Gewässer vorhanden sind, wie sie oft im Gefolge des Bergbaus und der Montanindustrie entstehen.

 

Geschichtliche Entwicklung


Eine durchgehende Besiedlung des Gebietes in ur- und frühgeschichtlicher Zeit konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
Bereits vor der bäuerlichen deutschen Besiedlung führten durch das bewaldete Gebiet schmale Saumpfade, die sogenannten Böhmischen Steige, die das frühbesiedelte Altenburger Land als südlichen Teil des ursprünglichen EIbe/Saale-Gebietes mit dem innerböhmischen Altsiedelland verbanden.
Die später zu Ortsnamen umgewandelten ursprünglichen slawischen Flur- und Gewässernamen, wie Würschnitz, Oelsnitz, Gablenz, Lugau, Lungwltz,  Zwönitz usw., weisen darauf hin, dass slawische Stämme das Waldland zum Zwecke der Jagd, des Fischfangs, der Waldweide und auch des Handels durchquert hatten und sich wahr-scheinlich vorübergehend hier aufhielten. Für einige ältere Orte ist eine slawische Vorbesiedlung bzw. eine gemeinsame Besiedlung durch Deutsche und Slawen an-zunehmen.

Die bäuerliche Besiedlung des Erzgebirgischen Beckens und des nach Suden angrenzenden Erzgebirges erfolgte im Rahmen der deutschen Ostexpansion seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und vollzog sich in mehreren Etappen über einen längeren Zeitraum. Die aus Thüringen, Franken und anderen deutschen Altlandschaften stammenden Siedler legten unter der Anleitung von Lokatoren, deren Namen vielfach in den Ortsbezeichnungen erhalten geblieben sind, meist zweiseitige Reihendörfer mit Waldhufenflur an. Die beiden einzigen alten Städte, Lichtenstein und Stollberg, entwickelten sich aus bescheidenen, unbewehrten Gemeinwesen am Fuß von Feudalsitzen. Ihre Stadtbevölkerung wies noch bis in die neuere Zeit ein starkes Ackerbürgertum auf.

Im 19. Jahrhundert kam es zu einer starken Industrialisierung und die Entwicklung des Bergbaus. Zahlreiche Landgemeinden übertrafen im Zuge dieser Entwicklung in den Einwohnerzahlen die zurückgebliebenen benachbarten Klein-städte; einige von ihnen, wie Oelsnitz, Lugau, Thalheim und Ober-lungwitz, erhielten im 20. Jahrhundert das Stadtrecht. Mit der industriellen Ballung entstand auch ein verzweigtes Eisenbahnnetz, das dichteste in Mitteleuropa. Auch das Straßennetz wurde immer engmaschiger. Während vor allem einige Nord-Süd-Straßenzüge im 18. und 19. Jahrhundert an Bedeutung verloren, wurde die B 173 die wichtigste Verkehrsader des Raumes, weil sie die Städte Chemnitz und Zwickau verbindet.
Das Ballungszentrum zwischen den Städten Chemnitz und Zwickau war das bevölkerungsreichste kleinstädtisch-ländliche Siedlungsgebiet Mitteldeutschlands. Die bevorzugt bandartig entwickelten Waldhufendörfer haben einen kleinstädtisch-industriellen Ausbau der alten Ortslagen erfahren und sind zu kilometerlangen, aus mehreren Gemeinden bestehenden Siedlungskörpern zusammengewachsen. Nach dem Rückgang des Bergbaus, erhielten die ehemaligen Bergarbeiter neue Arbeit in der Textilindustrie.

Grundlegende Veränderungen in der Produktionsweise fanden aber auch in der Landwirtschaft statt. Im Erzgebirgsbecken entstanden vorwiegend Schläge von 100 ha und mehr, die eine weitgehende Zerstörung naturnaher Landschaftselemente nach sich zog.

Die gegenwärtige Flächennutzung ist daher der Ausdruck dieser Jahrhunderte dauernden Eingriffe des Menschen in Natur und Landschaft.

Gegenwärtige Flächennutzung
Der Naturraum wird gegenwärtig als Acker-Grünland-Kombination mit Siedlungen, einem verstädterten Straßendorf und kleinflächig mit Wald genutzt. Eine starke Industrialisierung und hohe Einwohnerdichte führten zu einer intensiven Nutzung seines Einzugsgebietes. Der Natürlichkeitsgrad der Vegetation ist daher sehr naturfern bis naturnah einzustufen.

Folgende Flächennutzungsarten sind im Gebiet anzutreffen:

 
Flächennutzungsart Prozent
Flächen gemischter baulicher Nutzung sehr hohen Versiegelungsgrades 0,05
Wohn- und Bauflächen mittleren bis hohen Versiegelungsgrades 6,04
Wohn- und Baugebiet geringen Versiegelungsgrades, Streusiedlungen und  
Einzelgebäude 3,44
Industrie- und Gewerbeflächen 3,96
Verkehrs- und Infrastrukturflächen 2,76
Aufschüttungs,- Entsorgungs- und Abgrabungsflächen 2,36
Freizeit- und Erholungsflächen 2,85
Ackerflächen und Sonderkulturen 0,14
Ackerflächen 34,07
Sonderkulturen 1,77  
Ackerbrache 1,07
Wiesen und Weiden 28,63
Laubwald 4,20
Nadelwald 2,32
Mischwald 0,88
Kahlschläge und Aufforstungsflächen 1,02
Gehölze und Gebüsche 1,19
Wasserflächen 0,56
Bauerwartungsland 1,52
Langzeitbrachen 1,18
Moore und Feuchtgebiete 0,00
 

Trotz der hohen Bevölkerungsdichte und der intensiven Eingriffe in Natur und Landschaft zählt das Tal des Lungwitzbaches und seiner Nebentäler zu den reizvollsten und interessantesten Landschaftsgebieten Westsachsens.

Der Lungwitzbach als »Rückgrat« dieses Naturraumes sollte sein Flussbett außerhalb des besiedelten Raumes frei entfalten dürfen und damit eine Chance für eine naturnahe Entwicklung ohne direkte Lenkung des Menschen erhalten.

Gerade in einem industriellen Verdichtungsraum sind solche naturbelassenen Lebensräume überlebenswichtig für die Pflanzen- und Tierwelt und damit auch für die Menschen, die hier leben, arbeiten und sich erholen wollen.

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